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    Indianer 2003
Protokoll
 
 

Wir interessieren uns für Sie!


1. Was erwarteten Sie, als Sie eintraten?
2. Haben Sie als Kind Theater gespielt?
3. Ihr größtes Theatererlebnis?
4. Erwarten Sie Gefühle im Theater?
5. Sind es die Menschen oder der Raum?
6. Notwendig Maske und Kostüm?
7. Wann mussten Sie zuletzt spielen?
8. Wo fängt Theater an?
9. Welche Funktion erfüllt Theater?


 
 



K: Also wenn ich ehrlich bin, habe ich erwartet, dass etwas mehr passiert. Eine Installation ist aufgebaut und wir können die ganze Nacht da hineingehen.
G: Ja ja, wir haben hier auch Texte und da ist ein Schauspieler, wenn du willst trägt er dir etwas vor. Hier sind Texte von Häuptlingen. Da ist eine Kostümbildnerin, da unsere Dokumentarin. Also, die Installation sind wir.
K: Ach so.
G: Geht ihr sonst ins Theater? Bei Euch glaube ich eher nicht.
J: Wieso?
G: Ist ja nicht schlimm. Muss ja wirklich keiner. Will ja keiner mehr hin heute.
K: Wir wollten wissen, wer hat sich das ausgedacht. Das ist ja gar kein richtiges Zelt.
G: Nee, das sind so Planen aus dem Baumarkt an Drahtseilen aufgehängt. War aber ganz schön viel Arbeit. Nehmt Euch was zu essen und zu trinken. Wollt Ihr denn noch etwas wissen?
M: Ja, warum macht Ihr das hier?
G: Weiß ich auch nicht. Also ich bin in Köln geboren, habe hier studiert. Dann habe ich angefangen, Theater zu machen und fand das immer spannend, trotzdem ich mich meist in den Aufführungen gelangweilt habe. Und die Theaternacht ist eine Gelegenheit mit Leuten zu reden, die sonst nicht ins Theater gehen. Mir geht es darum herauszufinden, was Euch hierhin getrieben hat.
M: Warum denn Indianer?
G: Warst Du auf Kindergeburtstagen Cowboy oder Indianer?
M: Gar nichts von beiden.
G: Echt nicht? Was denn dann?
M: Als Frosch musste ich gehen.
G: Ist ja schrecklich.
M: Ja. Diese ganze Verkleiderei. Ich habe lange gebraucht um so auszusehen.
G: Ich fand diese Karnevalszeit immer eine Ausnahmesituation. Aber immer spielerisch. So wie hier. Sonst gehen die Leute ins Theater und haben Respekt vor der Kultur. Dieser Respekt soll hier gänzlich verloren werden.
T: Ich mag das Verkleiden als Schauspieler zum Beispiel sehr gerne. Wann hat man schon mal die Möglichkeit jemand anderes zu sein. Du kriegst ein anderes Gefühl, du bewegst dich anders. Das ist wie Reisen. So wie wir hier jetzt Indianer spielen. Eigentlich tut das ja auch jeder im Leben.
J: Ja.
G: Ich ja nicht so. Aber spielen schon. Wann war das denn bei Euch das letzte Mal, dass ihr jemanden etwas vorspielen musstet?
K: Hihi.
G: Also ich will ja nicht zu privat werden, aber erzähl doch ruhig.
K: Ja diese kleinen Notlügen, die gehören ja irgendwie zum menschlichen Miteinander.
L: Warum ist die Theaterszene immer so aggressiv, wo sie doch überhaupt verachtenswert ist?
G: Ja. L. Das versuchen wir auch herauszufinden.
L: Wen interessiert Theater? Warum sitzen wir überhaupt hier?
G: Genau.
R1: Wer ist von Euch der Häuptling?
J2: Darf man hier auf den Boden aschen?
G: Keiner. Eigentlich wollte ich das Theaternachtplakat als Teppich benutzen. Aber dann wurde mir von den Jungs hier eingeschärft, ich dürfte das Publikum nicht beleidigen und das stimmt ja auch. Also versuche ich, es ernst zu nehmen. Ganz schön anstrengend das.
R1: Ja. Eins zwei und danach kommt viele.
G: Häh? Also ich Du und danach wird es kompliziert?
J2: War das nicht Michael Schanze? Irgendwie geheimnisvoll hier.
G: Ja. Das trifft es ganz gut. Was denken die da draußen? Denken die, dass wir uns hier irgendwie besonders vorkommen?
R2: Ja.
K: Wollt Ihr was essen?
J2: Ich rauch’ noch zu Ende und dann.
G: Ja mach’ Dir was zu essen und zeig’ denen da draußen, dass es hier etwas zu essen gibt, damit die nicht so ängstlich sind. Ist doch nur weil man zwei viel besser erreichen kann als 50.
J2: Stimmt irgendwie.
G: Ist doch komisch, dass ich hier die ganze Zeit erzählen muss.
Z: Ich habe gehört, hier gibt es etwas zu essen.
P: Eigentlich habe ich gedacht, Du würdest uns etwas vorspielen.
G: Hej T. Die hier sind ein Fall für Dich, die wollen was vorgespielt haben.
T: Also das war damals in Berlin. Da habe ich in den Sophiensaelen den Hamlet gespielt und mich in die Ophelia verliebt. Also im Stück jetzt, und da ist es so schön, weil die Spree da in so einem Bogen durchfließt...
G: Ihr könnt natürlich dazwischen reden, wenn Ihr wollt. Also, bevor Ihr kotzen müsst redet lieber dazwischen. Es geht ja darum, relativ schnell eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Selten genug. Glaubst Du das hat bisher funktioniert?
N: Naja nicht immer. Bei denen eben nicht.
G: Die waren ja auch ganz fremd.
N: Ja aber das ist doch die Kunst, ganz Fremde reinzuziehen.
P: Aber es geht doch nur um den Ort.
G: Ja? Ist ja interessant. Nicht um die Menschen, die man wiedersehen will?
P: Wenn da zufällig die gleichen Menschen sind. Um so besser.
G: Aber warum? Weil es gesellschaftlich wichtig ist da zu sein? Das man sich zeigt, das man da ist?
P: Klar. Die sind ja alle da, weil sie etwas wollen. Desto länger man den Ort kennt, desto besser versteht man die Menschen in dem Ort.
G: Das ist ja auch spannend. Mindestens so, wie das Geschehen auf der Bühne.
P: Nee, noch spannender.
G: Hihi. Wieso? Weil es mehr mit einem zu tun hat, als das was auf der Bühne passiert?
P: Genau.
G: Aber es wär doch nicht schwer auf der Bühne dasselbe zu machen.
P: Aber da macht ja keiner.
G: Nicht? Seid ihr beide da ein Pärchen? Ihr habt so wenig geredet. Und K2? Hast Du es dir so vorgestellt?
K2: Ich fühl mich wohl.
G: Nee im Ernst.
K: Ich frag’ mich nur was draußen ist.
M: Also ich war eher Cowboy.
G: Weil man dann die Knarre haben durfte?
M: Stimmt. Aber Du meinst doch jetzt, wie ich mich als Kind verkleidet habe?
G: Naja, wo die Kindheit eben aufhört. Ich weiß das nicht so genau. Ein bisschen ist das wohl mein Problem.
K: Ein bisschen.
M: Römer war ich auch mal.
G: Und wie war Römer so?
S: Kommt doch mal raus tanzen.
G: Wir kommen auf jeden Fall noch, aber wir wissen nicht, wie lang das hier dauert. Habt Ihr denn noch Fragen?
M: Ist das hier Teil eines Ganzen?
G: Die Beteilgten wussten alle gar nicht, was sie erwartet. Es konnte sich keiner vorstellen, weil ich konnte es mir ja auch nicht genau vorstellen. Man weiß es ja nicht.
V: Ich versteh aber nicht, warum Du kein Indianer bist?
K: Ja warum eigentlich?
G: Ich bin doch Indianer. Sonste machste hier ja keine Punkte.
 
   


                                                          

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